{ 7. Siegfried Lenz Preis an Norbert Gstrein verliehen }

Am vergangenen Freitag wurde im Hamburger Rathaus zum siebten Mal der Siegfried Lenz Preis vergeben. Preisträger 2026 ist der österreichische Schriftsteller Norbert Gstrein, dessen Werk seit Jahrzehnten für sprachliche Präzision und eine unerschrockene Auseinandersetzung mit der Welt steht.

Der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Dr. Peter Tschentscher sprach ein Grußwort. Die Laudatio hielt der Schriftsteller Daniel Kehlmann. Statt einer konventionellen Würdigung entfaltete Kehlmann eine kunstvoll ironische Reflexion darüber, wie man überhaupt eine Laudatio auf einen Autor hält, der selbstgefällige Rhetorik und Klischees in seinen Büchern immer wieder selbst entlarvt. Persönliche Erinnerungen an die gemeinsame Zeit bei Suhrkamp verband er mit einer genauen Werkbetrachtung: Gstreins immer wiederkehrende Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft aus der österreichischen Provinz, sein Bruch mit deren Enge zugunsten einer Literatur von „Schönheit“ und „Welt“, sowie seine Nähe zu großen internationalen Erzählern, die gesellschaftliche Verwerfungen im Schicksal Einzelner spiegeln. Kehlmann stellt fest: „Dieser Preis ist bisher an Amos Oz gegangen, an Julian Barnes, an Richard Ford, Ljudmila Ulitzkaja, Elizabeth Strout und Claire Keegan, und dass ihn heute zum ersten Mal ein deutschsprachiger Autor bekommt, ist keine Heimholung – nichts hasst Norbert Gstrein so sehr wie nestwarme Umarmungen, wer das bezweifelt, soll sich nur das gnadenlose Kapitel durchlesen, in dem Jakob Thurner von den stolzen Bewohnern seines Heimatdorfes geehrt wird -; keine Heimholung also, sondern die folgerichtige Fortsetzung der Reihe.“

Die Siegfried Lenz Stiftung gratuliert Norbert Gstrein herzlich zu dieser Auszeichnung.

Porträt des Preisträgers bei NDR Kultur – Das Journal

Alle Fotos © Fabian Hammerl