{ Claire Keegan erhält den Siegfried Lenz Preis 2024 }

Der Schriftsteller Siegfried Lenz hat 2014 eine Stiftung ins Leben gerufen, zu deren wichtigen Aufgaben es gehört, den internationalen Siegfried Lenz Preis zu vergeben. 

Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen und ist mit 50.000 Euro dotiert. Preisträgerin 2024 ist die irische Schriftstellerin Claire Keegan

Die feierliche Preisübergabe findet im Hamburger Rat­haus am Freitag, den 4. Oktober 2024 statt. Der Preis wird vom Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg und der Siegfried Lenz Stiftung überreicht. – Als Auftakt wird Claire Keegan am Mittwoch, 2. Oktober 2024 auf Einladung von NDR Kultur zu Gast sein im Rolf-Liebermann-Studio des Norddeutschen Rundfunks, Hamburg.

Mit dem Siegfried Lenz Preis sollen internationale Schriftstellerinnen und Schriftsteller ausgezeichnet werden, die mit ihrem erzählerischen Werk Anerkennung erlangt haben und deren schöpferisches Wirken dem Geist von Siegfried Lenz nah ist.

Die Siegfried Lenz Stiftung hat zur Vergabe eine Jury berufen.

Ihre Mitglieder sind:

  • Günter Berg, Vorstand der Siegfried Lenz Stiftung, Hamburg
  • Ulrich Greiner, Autor und Literaturkritiker, Hamburg
  • Prof. Dr. Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses, Hamburg
  • Annegret Schult, Buchhändlerin, Hamburg
  • Monique Schwitter, Präsidentin der Freien Akademie der Künste, Hamburg

Die Jury des Siegfried Lenz Preises 2024 zeichnet mit der 1968 in der irischen Grafschaft Wicklow geborenen Claire Keegan eine der großen europäischen Erzählerinnen aus. Ihr Werk, das 1999 mit der Kurzgeschichtensammlung Wo das Wasser am tiefsten ist einsetzte, zeichnet sich durch eine meisterhafte sprachliche Verknappung aus, die ihrer Prosa Dichte verleiht und dem Ausgesparten so viel Bedeutung wie dem Erzählten zuspricht. Keegans Figuren, die oft fest verknüpft sind mit Irland und seiner Geschichte, leiden unter Verlusten, unter einer Einsamkeit, aus der es keinen Ausweg zu geben scheint. Das Verschwiegene und Verdrängte hat sich in ihnen eingenistet, und dennoch strahlen Keegans Erzählungen und Romane, in denen jedes Wort mit Bedacht gesetzt ist, keine Hoffnungslosigkeit aus. So wie in ihrem Roman Kleine Dinge wie diese, wo ein Kohlenhändler sein Familienglück aufs Spiel setzt, weil er sich moralisch nicht länger schuldig machen will und den Grausamkeiten, die in einem Nonnenkloster geschehen, mutig entgegentritt. Wie in Das dritte Licht, wo ein kleines Mädchen zu Pflegeeltern kommt und in einem unvergesslichen Sommer, der nicht von Dauer sein wird, endlich Zärtlichkeit und Zuneigung erfährt. Oder wie in Reichlich spät, wo eine Frau sich aus der lieblosen Beziehung zu einem missgünstigen und letztlich glücklosen Mann befreit. Claire Keegan blickt in ihren präzise durchgearbeiteten Texten auf das, was es heißt, ein Mensch zu sein und sich allen Fährnissen des Lebens entgegenzustemmen.

Claire Keegans Bücher erscheinen in der Übersetzung von Inge Leipold und Hans-Christian Oeser im Göttinger Steidl Verlag.

Die bisherigen Preisträger des mit 50.000 Euro dotierten Siegfried Lenz Preises, waren der Israeli Amos Oz, der Engländer Julian Barnes, der Amerikaner Richard Ford, sowie die amerikanische Schriftstellerin Elizabeth Strout. Da für Siegfried Lenz nicht allein die anglophone Welt von Bedeutung war, sondern auch die Welt seiner ostpreußischen Herkunft, zeichnete die Jury 2020 mit Ljudmilla Ulitzkaja eine Autorin aus dem osteuropäischen Kulturraum aus.

Claire Keegan, geboren 1968, wuchs auf einer Farm in der irischen Grafschaft Wicklow auf. Sie hat in New Orleans, Cardiff und Dublin studiert. Im Steidl Verlag sind von der vielfach ausgezeichneten Autorin bereits die Erzählungsbände Wo das Wasser am tiefsten ist (2004) und Durch die blauen Felder (2008) (in einem Band: Liebe im hohen Gras, 2017), Das dritte Licht (2013/2022) und Kleine Dinge wie diese (2022) erschienen. Das dritte Licht wurde mit dem renommierten Davy Byrnes Award ausgezeichnet und gehört für die englische Times zu den 50 wichtigsten Romanen des 21. Jahrhunderts. Claire Keegan lebt in Irland.

Siegfried Lenz zählt zu den größten Schriftstellern deutscher Sprache. Sein Werk ist in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Für sein 14 Romane, zahlreiche Novellen, Rundfunkstücke und Dramen umfassendes Werk wurde er mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte.
Siegfried Lenz lebte seit 1951 in Hamburg und veröffentlichte seine Bücher von Beginn an im Hoffmann und Campe Verlag. Er verstarb am 7. Oktober 2014 im Alter von 88 Jahren. Zuletzt erschienen Der Überläufer (2016), sein Amerikanisches Tagebuch (2012), Die Maske (2011), Landesbühne (2009) und Schweigeminute (2008). Zahlreiche seiner Bücher wurden verfilmt. Zuletzt liefen Deutschstunde (ZDF 2017; Regie Christian Schwochow) und Der Überläufer (ARD 2020, Regie Florian Gallenberger) erfolgreich im deutschen Fernsehen.

Weitere Informationen erhalten Sie über die Siegfried Lenz Stiftung

Das Büro wird geleitet von Katharina Muders: muders@siegfriedlenz-stiftung.org  // 040 44140 29926

Weitere Informationen zur Preisträgerin über den Steidl Verlag: Claudia Glenewinkel: cglenewinkel@steidl.de // 0551 4960650

Foto: (c) Murdo McLeod