{ Siegfried Lenz Preis 2020 an Ljudmila Ulitzkaja }

Der Schriftsteller Siegfried Lenz hat 2014 eine Stiftung ins Leben gerufen, zu deren vornehmsten Aufgaben es gehört, einen Siegfried Lenz Preis zu vergeben.

Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen und ist mit 50.000 Euro dotiert. Die Preisträgerin 2020 ist (nach Amos Oz, Julian Barnes und Richard Ford) die russische Erzählerin Ljudmila Ulitzkaja. Die feierliche Preisübergabe findet im Hamburger Rat­haus am Freitag, den 19. März 2021 statt. Aufgrund der momentanen Situation in Zusammenhang mit dem Corona-Virus wurde der Termin vorsorglich ins nächste Frühjahr verlegt. Der Preis wird vom Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg und der Siegfried Lenz Stiftung überreicht. – Am Vorabend der Preisverleihung, Donnerstag, 18. März 2021, wird Ljudmila Ulitzkaja zu Gast sein in der Freien Akademie der Künste, Hamburg.

Mit dem Siegfried Lenz Preis sollen internationale Schriftstellerinnen und Schriftsteller ausgezeichnet werden, die mit ihrem erzählerischen Werk Anerkennung erlangt haben und deren schöpferisches Wirken dem Geist von Siegfried Lenz nah ist.

Die Siegfried Lenz Stiftung hat zur Vergabe eine Jury berufen.

Ihre Mitglieder sind:

  • Günter Berg, Vorstand der Siegfried Lenz Stiftung, Hamburg
  • Ulrich Greiner, Präsident der Freien Akademie der Künste, Hamburg
  • Prof. Dr. Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses, Hamburg
  • Annegret Schult, Buchhandlung Felix Jud, Hamburg
  • Monique Schwitter, Autorin und Mitglied der Freien Akademie der Künste, Hamburg

Die Siegfried Lenz Stiftung ehrt mit Ljudmila Ulitzkaja eine bedeutende Schriftstellerin Russlands. Ihre Romane und Erzählungen spiegeln die Tragödie des 20. Jahrhunderts, die Epoche der Gewaltherrschaft und des Genozids. Die vielfältigen und vielschichtigen Figuren ihrer erzählerischen Welt kämpfen ums Durchkommen, ums Überleben. Manche glauben an Gott, andere an sich selbst, und alle hoffen sie auf Menschlichkeit. Ulitzkaja entwickelt aus diesen Schicksalen ein grandioses Gewebe, das Gegenwart und Vergangenheit miteinander verbindet, das Religiöse mit dem Politischen, das Gesellschaftliche mit dem Persönlichen. Ihre weit gespannte Erzählkunst ist multiperspektivisch, sie bezieht reale und fiktive Dokumente ebenso ein wie die Biografie der Autorin. Denn Ulitzkaja, Jahrgang 1943 und in Moskau aufgewachsen, ist jüdischer Herkunft, und sie hat sich als Kritikerin der Putin-Regierung mehrfach unbeliebt gemacht.

Die bisherigen Preisträger des mit 50.000 Euro dotierten Siegfried Lenz Preises, waren der Israeli Amos Oz, der Engländer Julian Barnes und der Amerikaner Richard Ford. Für Siegfried Lenz war nicht allein die anglophone Welt von Bedeutung, sondern auch die Welt seiner ostpreußischen Herkunft. Auch deshalb hat die Jury sich dafür entschieden, diesmal eine Autorin aus dem osteuropäischen Kulturraum auszuzeichnen.

Auf die Nachricht von der Zuerkennung des Siegfried Lenz Preises reagierte Ljudmila Ulitzkaja geehrt und schrieb: „Ich möchte der Jury des Siegfried Lenz Preises meinen tiefsten Dank ausdrücken für eine derart bedeutende Würdigung meines literarischen Werks. Ich bin zutiefst berührt und geehrt, Gewinnerin dieses Preises zu sein, der nach Siegfried Lenz benannt ist, einem Schriftsteller mit enormer Zivilcourage, höchster Ehrlichkeit und gründlichem Verständnis für eine untrennbare Verbindung zwischen unserer Vergangenheit und Gegenwart. Es ist eine große Freude und ein Privileg für mich, zu so angesehenen, weltbekannten Autoren wie Amos Oz, Julian Barnes und Richard Ford gezählt zu werden. Ich sende Ihnen meinen herzlichen und aufrichtigen Dank und hoffe, Sie alle ganz bald in Hamburg zu sehen.“

Ljudmila Ulitzkaja, 1943 geboren, wuchs in Moskau auf und ist eine der wichtigsten zeitgenössischen Schriftstellerinnen Russlands. Sie schreibt Drehbücher, Hörspiele, Theaterstücke und erzählende Prosa. Auf Deutsch erschienen u.a. im Verlag Volk & Welt, Berlin, Sonetschka: Eine Erzählung (1992), Medea und ihre Kinder (Roman 1997), Ein fröhliches Begräbnis (Roman 1998), Reise in den siebenten Himmel (Roman 2001). Im Carl Hanser Verlag, München, erschienen Die Lügen der Frauen (Erzählungen 2003), das Kinderbuch Ein glücklicher Zufall (2005), Ergebenst, euer Schurik (Roman 2005), Maschas Glück (Erzählungen 2007), Daniel Stein (Roman 2009), Das grüne Zelt (Roman 2012), Die Kehrseite des Himmels (2015) und Jakobsleiter (Roman 2017). Alle Werke der Autorin wurden von Ganna-Maria Braungardt aus dem Russischen ins Deutsche übertragen. 2008 erhielt Ljudmila Ulitzkaja den Aleksandr-Men-Preis für die interkulturelle Vermittlung zwischen Russland und Deutschland, 2014 den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur.

Siegfried Lenz zählt zu den größten Schriftstellern deutscher Sprache. Sein Werk ist in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Für sein 14 Romane, zahlreiche Novellen, Hörspiele und Dramen umfassendes Werk wurde er mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte.
Siegfried Lenz lebte seit 1951 in Hamburg und veröffentlichte seine Bücher von Beginn an im Hoffmann und Campe Verlag. Er verstarb am 7. Oktober 2014 im Alter von 88 Jahren. Zuletzt erschienen Der Überläufer (2016), sein Amerikanisches Tagebuch (2012), Die Maske (2011), Landesbühne (2009) und Schweigeminute (2008). Zahlreiche seiner Bücher wurden verfilmt. Zuletzt lief Der Überläufer erfolgreich im deutschen Fernsehen.

 

Weitere Informationen erhalten Sie über die Siegfried Lenz Stiftung

Mittelweg 117, 20149 Hamburg – info@siegfriedlenz-stiftung.org

Das Büro wird geleitet von Katharina Muders:

muders@siegfriedlenz-stiftung.org

www.siegfriedlenz-stiftung.org

 

Weitere Informationen zur Preisträgerin über:

Christina Knecht, Presseleitung Carl Hanser Verlag, München

Christina.Knecht@hanser.de

 

Copyright Foto: Peter-Andreas Hassiepen